Ein kleiner Reisebericht * Nach Begegnungsreise Dezember 2017 / Januar 2018

Ein kleiner Reisebericht * Nach Begegnungsreise Dezember 2017 / Januar 2018

„Come sister, come!“, sagt Rani freundlich, nimmt vertrauensvoll und zugleich zielbewusst meine Hand und zieht mich in Richtung des kleinen, weiß gestrichenen Gebäudes. Sie möchte mir ihr Zimmer, ihr Schatzkistchen und ihr Regalfach im Mädchendorf Vishakhapatnam zeigen.

Zusammen mit fünf oder sechs Mädchen teilt sie sich dort ihr Zimmer. Der Sandboden auf dem Gelände rund um die Häuser ist mit bunten Kreidebildern verziert, mit einem „Welcome German Friends“, „We wish you a Happy New Year 2018″ und wunderschönen Mustern, die an maurische Kacheln oder die Hennazeichnungen auf den Handflächen einiger Mädchen erinnern.

Diese zarten oder auch kräftigen Mädchen- und Jungenstimmen, ihre leuchtenden, sprühenden, wunderschönen Augen, ihre Freude, Energie und Zugewandtheit bewegten und bewegen mich immer wieder. Wie viel innere und äußere Schönheit hat Gott diesen Menschen in Indien geschenkt, wie viel Liebe muss er für sie haben!

Auf unserer Reise konnten wir Gottes Wirken durch die Berichte von Bischof Singh, seinen Brüdern Bischof Jeevan und Bischof Pratap, nacherleben, immer wieder staunen, was durch Gottes Wunder dort entstanden ist: die wachsenden Gemeinden, neu errichtete Schulen, Kinderheime, die Hilfe bei den Aidskranken, den Blinden, in den Ausbildungsstätten. Wir spürten die Liebe Bischof Singhs für das Werk im Gesamten, aber auch für den Einzelnen: den Blinden, der uns die Schreibmaschine für Blindenschrift vorführte, für die 14-jährige Tochter Esther einer an Aids erkrankten Mutter, für die ehrwürdige, alte Frau aus dem Stamm der Bonda, Lydia.

Das Programm war randvoll mit Besuchen der einzelnen Stationen: Vishakhapatnam, Kondala, Rajahmundry, Narsapur, Siler-Dschungel; mit den gemeinsam gestalteten Gottesdiensten, Schulveranstaltungen, mit Kircheneinweihung, Grundsteinlegung, Besichtigung des Krankenhauses und einiger Kinderheime, sowie der Ausbildungsstätten für angehende Elektroniker, Schlosser, Schneiderinnen und Krankenschwestern.

Wir fuhren mit einem uns zur Verfügung stehenden Bus und Busfahrer von Ort zu Ort und erlebten dabei Sightseeing auf eine ganz besondere Art: über rumpelige Straßen, durch Dörfer, über lange Brücken, durch Wald, Reisfelder, entlang an Bananenplantagen und Palmenhainen.

Keinen der zahlreichen Programmpunkte hätte ich missen wollen.

Das herzliche Begrüßen mit Musik, Gesang, Tanz und duftenden Blumenkränzen war etwas Besonderes und brachte die große Dankbarkeit der Menschen zum Ausdruck. Sie fühlten sich beschenkt, wertgeschätzt und unterstützt durch unseren Besuch und spiegelten dies auf liebevolle Art und Weise. Und wir wurden mindestens genauso beschenkt durch das, was sie uns entgegen brachten und was wir sehen und erleben durften.

Besonders eindrücklich war für mich der Besuch im Siler-Dschungel.

Mit dem Sonnenuntergang machten wir uns zu Fuß auf den Weg zum Fluss, der das Gebiet nach Orissa abgrenzt, und stiegen in ein kleines Boot.

Die Wasseroberfläche war spiegelglatt und ruhig, die untergehende Sonne tauchte den Himmel, die Berge im Hintergrund, die Bäume, in ein zartrosa Licht, welches auf dem Wasser farbig schimmerte. Ein leises Trommeln klang aus der Ferne zu uns herüber. Nach einer kurzen, andächtig stillen Fahrt, staunend über die herrliche Natur, legten wir am anderen Ufer an. Die Christen der Dschungelgemeinde begrüßten uns mit herrlich rhythmischer Musik und hießen uns mit dankbaren, glänzenden Augen willkommen. Dies berührte mich tief. Christen, mitten im Dschungel, mit denen ich mich durch unseren gemeinsamen Glauben, den Heiligen Geist, fest verbunden fühlte, auch wenn wir uns mit keinem Wort verständigen konnten. Menschen, die ihr Leben für ihren Glauben riskieren, die in Gefahr, aber stark und mutig sind.

Was für ein Geschenk, diese Menschen, die vielen Mitarbeiter von Nethanja, die Gemeinden, die wunderbaren Mädchen und Jungen, in dem schönen, farbigen Land Indien, kennengelernt zu haben. Dafür danke ich Gott, und den engagierten, liebevoll begleitenden Reiseleitern Petra und Michael Hahn.

Esther Hanna Hucks