Jugendreise August 2018

(Von Julia Scheerle, Bild ganz links)

Es ist noch früh am Morgen, bevor ersten Sonnenstrahlen über den bewaldeten Bergen aufgehen erklingen leise Töne. Es sind keine Vögel. Die Stimmen werden immer lauter. „Halleluja“ singen sie. Für mehrere Minuten liege ich in meinem Bett und bin erstaunt über den Lobpreis. Woher er wohl kommt?

Keine 50m entfernt von unserem Haus ist eine kleine Kirche. Dort treffen sich die Bibelschüler um gemeinsam mit Gott zu starten. Für sie beginnt anschließend ein voller Tag. Unterricht am ganzen Morgen und den gesamten Nachmittag lang, Zeit zum selbst lernen, den Jüngeren Kindern im Kinderheim helfen, waschen, kochen, aufräumen… abends haben sie eine Stunde um draußen gemeinsam Volleyball und andere Sportarten zu betreiben. Die Stimmung ist ausgelassen, doch uns Deutschen wir schnell klar – nicht nur beim Volleyballspielen können wir noch einiges von ihnen lernen.

Can you please take a Selfie with me? (Kannst du bitte ein Foto mit mir machen?) Diesen Satz höre ich nun zum 50sten mal. Also stelle ich mich neben meine indischen Freunde, lächele in die Handykamera und stelle fest, dass ich plötzlich von sämtlichen Kindern umringt bin. Wo sie nur so schnell wieder hergekommen sind?

Pray! Bless! [Bete! Segne!] Glaube spielt bei den indischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine große Rolle. Wo auch immer wir hinkamen, wurden wir immer wieder gebeten, für die Jugendlichen persönlich zu beten und sie im Namen Jesu zu segnen. Was es heißt, ihm wider allen Umständen nachzufolgen, habe ich ganz neu verstanden, als verschiedene Bibelschüler im Jugendgottesdienst ihr Zeugnis erzählten. Eine junge Frau bekehrte sich als Erste in ihrer Familie. Sie wurden verspottet, geschlagen und fast getötet. Innerhalb kurzer Zeit musste sie fliehen. Gott sprach zu ihr und sandte sie mit ihrer Mutter an einem anderen Ort. Heute steht sie vor uns. Während uns Gästen aus Deutschland die Tränen in den Augen stehen, nehmen wir ein weiteres Mal war, dass das Leben hier in Indien nicht nur von schönen Abenteuern geprägt ist. Wer Jesus nachfolgen möchte, muss in Indien oft viele Gefahren erleiden.

Drei Wochen Indien liegen nun hinter uns. Zu zehnt haben wir uns Anfang August am Flughafen in Frankfurt getroffen und gemeinsam in das Abenteuer Indien gestürzt. Dabei haben wir erlebt, wie Gott uns in vielen Situationen begegnet ist, uns gebraucht hat und unsere Vorstellungen gesprengt. Begegnungen mit den Menschen vor Ort in den Kirchen, Schulen, Kinderheimen und Krankenhäusern haben uns immer wieder herausgefordert und zugleich bereichert.

Vieles konnten wir mit eigenen Augen sehen. Doch eines bewegt mich bis heute sehr. Die Chancen die durch die Nethanjakirchen den Jugendlichen dort geboten werden. Ihnen wird von Beginn an von Jesus erzählt und sie bekommen eine Schulbildung. Sie lernen lesen und schreiben, rechnen, Biologie, Computertechnik und mehrere Sprachen. Dieses Privileg, eine geschenkte Schulbildung eröffnet ihnen die Chance, ihre Träume zu leben. Jugendliche in Indien wollen Ärzte, Ingenieure, Lehrer, Pastoren und vieles mehr werden. Durch ihre Arbeit können sie in ihrem Land den Menschen dienen und ihren Glauben an Jesus weitergeben.

Leider gibt es an vielen Schulen der Nethanjakirchen noch kein Junior College (Klasse 11&12). Dies sind jedoch die entscheidenden Jahre, in denen Jugendliche immer wieder ihrem Glauben an Jesus verloren haben, da sie das Kinderheim, ihre Schule und das gewohnte Umfeld verlassen mussten. Darum bin ich sehr dankbar, dass nun die Komanapalli Brüder, Singh und Pratap ihren Fokus daraufsetzen, ihre Schulen auszubauen. Bitte beten Sie dafür, dass Gott die staatlichen Bewilligungen schenkt und die Möglichkeiten schenkt, diese Projekte zu finanzieren.

Am Abend liegen wir wieder in unserem Bett. Während meine Schwester schon kurz vor dem Einschlafen ist, schwirren mir noch die vielen Ereignisse in meinem Kopf umher. Ein weiteres Mal erklingt Gesang aus der anliegenden Kirche. „Mahima, Mahima…“ die Bibelschüler preisen Gott – auch noch am späten Abend. Das beeindruckt mich sehr. Vielleicht kann ich mir von ihrer Freude an Gott und ihrer mutigen Nachfolge etwas bewahren und nun hier in Deutschland weitergeben.